Der Richttermin

Am Dienstag den 22.09. war er endlich da, der lang ersehnte Richttermin. Wir wollten von Anfang an dabei sein, also klingelte mein Wecker bereits um 4:30 Uhr. Hellwach war ich ohnehin. Schnell duschen, rein in Baustellen-Kleidung, was angesichts des Wetterberichtes nicht so leicht war – für den ganzen Tag war Regen vorhergesagt. Laut Zimmerleuten aber kein Problem. Dann in die Küche und den vorbereiteten Kuchen geschnitten und die Brötchen für die ganze Mannschaft geschmiert. Noch zwei Kannen Kaffee gekocht und dann konnte es losgehen.

Um 6:45 Uhr auf der Baustelle war wirklich keine Minute zu früh. Der Kran stand sicher und startklar und beleuchtete die sonst noch recht dunkle Baustelle so hell, dass wir ihn aus ca. 5km Entfernung sehen konnten. Der erste LKW war bereits da. Wir konnten gerade noch guten Morgen sagen, da begann die Truppe auch schon mit dem Abladen.  Völlig fasziniert beobachteten wir, wie die erste Ladung um unsere Bodenplatte verteilt wurde. Eine Menge Bretter, Balken und sonstige zum Dachstuhl gehörenden Teile landeten auf der Straße unserer Sackgasse – so dass die Zufahrt zu unseren Nachbargrundstücken bald einer Holzlagerhalle glich. Zum Schluss waren die Binder dran. Da diese recht viel Platz benötigen, mussten sie hinter die Bodenplatte gelegt werden. Der Kran hat eine Reichweite von ca. 30Metern, wurde uns erklärt, und für diese großen Binder, die in einem einzigen Paket abgeladen werden, war das gerade so ausreichend, da sonst zu viel Gegengewicht nötig wäre. Das Abladen über die große Entfernung sag beeindruckend aus.

Damit war der LKW leer und verabschiedete sich – vom zweiten bisher keine Spur. Kurze Zeit später wurde klar warum. Die Anwohnerstraße zu unserem Grundstück ist recht eng, bedeutet viel rangieren. Unser Bauleiter hatte sich das ganze angesehen und entschieden, dass das geht. Was dabei nicht aufgefallen war: Einer der öffentlichen Bäume ragte zu weit nach unten, er ließ den eigentlich vorgeschriebenen Luftraum von 4 Metern Höhe nicht offen. Also blieb LKW Nummer 2 stecken, genau zur besten Zeit um kurz vor 8 Uhr. Unser Bauleiter tauchte in diesem Moment auch auf der Szene auf und entschied kurzer Hand: Die Äste müssen ab. Also wurde eine Säge geholt und kurzer Prozess gemacht. Das Einrangieren in den Baustellenbereich kostete auch noch einmal gut Zeit. Die LKWs sind ca. 18 Meter lang und hatten mit dem kleinen Kreisel in der Straße ihre Schwierigkeiten, es ging nur rückwärts rein.  Mit etwa 45 Minuten Verspätung ging es dann weiter.

Der zweite LKW hatte unser komplettes Erdgeschoss geladen. Sofort begann also der Aufbau des Hauses. Zunächst wurden die Innenwände gesetzt. Sie sind durchnumeriert, genau wie der Plan der Zimmerleute, so dass nicht lange gesucht werden muss, was an welche Stelle gehört. Als die Innenwände standen konnten wir zum ersten Mal sozusagen von der Haustür bis in den Garten sehen, woran vor allem die Bauherrin großen Spaß hatte. Schön war zu beobachten, wie das ganze funktioniert: Die gestern gelegte Lattierung diente – ganz nach dem Nut-Feder-Prinzip – als Grundlage für die Wände. Sie wurden auf ihren Platz gestellt, per Hand von zwei bis drei Mann ausgerichtet und dann mit ziemlich langen Schrauben jeweils mit dem Nachbarteil verbunden. Fertig.

Die Außenwände waren ein echtes Highlight, da sie in einem Stück aufgestellt werden. Damit hatte die Wand mit dem Hauseingang ca. 9,40m Länge – das sah schon beeindruckend aus. Und so viel Fertiges wachsen sehen macht einem wirklich große Freude – in diesem Fall die Haustüre. Nach den beiden seitlichen Wänden folgte zuletzt die Seite zum Garten mit dem Erker. Die Glasfront des Erkers war das letzte Teil, das LKW 2 noch geladen hatte. Unser bauleiter informierte uns, dass das letzte Teil des Erdgeschosses noch einmal spannend ist – denn es ist wohl nicht immer so, dass alles perfekt passt. Auch wenn jetzt sichtlich Konzentration gefragt war – Das Team aus Kranfahrer, 3 Zimmerleuten und zu diesem Punkt zwei Bauleitern blieb verhältnismäßig entspannt – und passte das letzte Teil ganz wunderbar ein.

Das Erdgeschoss stand also um 11 Uhr! Ein guter Zeitpunkt für die Brötchen…. Unser Bauleiter informierte uns noch, dass der Kran spätestens morgen Mittag weg sein sollte – im allerbesten Fall bereits am Abend. Danach verabschiedete er sich – er hatte noch eine zweite Richtung, parallel zu unserer zu betreuen. Für uns Bauherren war sogar eine kurze Behegung des Erdgeschosses drin.

Auf den dritten LKW musste dann bis 13 Uhr gewartet werden. Wir drehten in der Zwischenzeit eine Runde mit unserem vierbeinigen Oberaufseher. Als wir zurückkamen war der Sichtbalken im Wohnzimmer eingepasst und die ersten drei Binder bereits angebracht. Bei Ankunft des dritten LKWs ging das Abladen wieder los. Weite schön verschnürte Teile des Dachgeschosses fanden den Weg direkt ins Obergeschoss. Der Balanceakt, den die Zimmerleute dabei hinlegen müssen, erschien uns schon recht beeindrucken. Schließlich gibt es oben nur ca. 5cm breite Balken, etwa im Abstand von 40cm, auf die getreten werden kann.Auf diesem LKW befanden sich auch unsere Giebelseiten. Als ca. gegen 16:30 Uhr der letzte Binder den Weg aufs Dach gefunden hatte und außer den Giebeln nicht mehr viel übrig blieb, schwante uns schon, dass der Kran nicht bis morgen stehen musste.

Und das, obwohl ein dicker Regenguss zu einer Zwangspause gezwungen hatte, nachdem wir den Tag über immer haarscharf verschont geblieben waren. Die Zimmerleute waren wirklich völlig miteinander eingespielt, jeder Handgriff saß. Die drei arbeiteten was das Zeug hielt, hämmerten, sägten und blieben dabei total entspannt.

Es klarte wieder richtig auf und so ging die Arbeit weiter. Immer wieder kamen Nachbarn vorbei, Autos bremsten am unteren Grundstücksende, Kinder freuten sich über den Kran.

Als dann die Giebelseiten einflogen war es noch einmal wirklich spannend. Das sind ziemlich große Teile, die genau auf die Kante des Hauses gesetzt werden müssen. Dafür sind in den Außenwänden der Giebelseite im Erdgeschoss bereits große Metallträger vorgesehen. Wir verfolgten gebannt, wie Kranführer und Zimmerleute die Wände an ihre Plätze deligierten – und konnten uns zum ersten Mal so richtig über unsere Holzfassade im Giebel freuen.

Anschließend wurden noch die kleinen Dreiecke auf die Binder aufgesetzt, die hinterher den Dachfirst bilden – und unglaublicher Weise hatten wir dann um etwa 19 Uhr einen vollständigen Rohbau wo 13 Stunden zuvor noch nur eine Bodenplatte und ein einsames Gerüst standen. Und wir waren unglaublich glücklich und zufrieden, denn schon jetzt ist deutlich erkennbar, dass das Haus unsere Vorstellung voll trifft. Es tat so gut nach all der Planung und Vorbereitung und dem vielen Frust endlich diesen Anblick zu genießen!

Ja. Und dann fuhr der Kran ab, die Zimmerleute gönnten sich ein Feierabendbierchen und plötzlich kehrte Ruhe ein. Der Gerüstbauer brachte seine Arbeit zu Ende, zog das Gerüst auf seine endgültige Höhe, dann verabschiedete auch er sich.

Auch wir traten stehend k.o. den Heimweg an – und fragten uns, was wohl am nächsten Tag passieren würde – schließlich hatten wir uns gar nicht darauf eingestellt, dass alles wirklich an einem einzigen Tag erledigt sein würde. Das war wirklich richtig tolle Arbeit!!!

 

 

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